Café No. 48, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Elegante Zeitlosigkeit

Aus der Zeit fallen, ist das nicht, was man sich manchmal wünscht, wenn man ein Café besucht? Kaffee und Kuchen bestellen, in die Luft gucken, sich in Lektüre vertiefen. Genießen als Seinszustand.

 

Am 7.1.17 hat in der Rotlintstraße 48 das Café No. 48 eröffnet. Man könnte nun über die Zahlen philosophieren, über Quersummen, Ziffernmythen, Numerologie. Doch das Café macht so gar keinen esoterischen Eindruck, daher können wir das auch gleich wieder sein lassen.

Die Wände des großen Gastraums sind weiß und beige gestrichen, eine kurze Seitenwand zu zwei Dritteln Naturholz verkleidet ebenso wie die Theke. Die Tische stehen jeweils vor einer geschwungenen Holzbank, dazu gesellen sich weiße, schwarze und hellgraue Holzstühle. Unter der Decke laufen schwarze Stahlverstrebungen, an denen die große gusseiserne Lampe sowie die Kabel für die zahlreichen Glühbirnen befestigt sind. An der großen Fensterfront ist ein Tresen mit hohen Stühlen montiert, so dass man hier das Treiben und Flanieren auf den Bürgersteigen der zwar stillen, aber nicht langweiligen Rotlintstraße beobachten kann. Über dem Tresen hängen vier papiern anmutende Lampenschirme in Hellgrün und Hellbraun, durch deren weiße geometrische „Knickfalten“ gedämpftes Licht fällt. Auf den Tischen und dem Tresen stehen Vasen mit bunten Frühlingssträußen, was Farbe und Frische in den Industrial Charme der Einrichtung bringt. Und noch etwas anderes bringt hier Farbe und Lebensfreude: die Fotos an den Wänden. Es sind Porträts von fröhlichen Menschen beim Kaffeetrinken. Es kann so einfach sein: Diese Bilder sind großartig.Café No. 48, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Draußen auf dem Bürgersteig sind drei Tische mit Bänken aufgestellt, so dass, wer mag, auch in der Frühlingssonne seinen Kaffee trinken kann. Ich entscheide mich dennoch fürs Drinsitzen. Der Raum ist so einladend, darin möchte ich mich gern aufhalten.

Für Kinder gibt es auf dem Fensterbrett eine kleine Auswahl mit Holzspielsachen sowie für die erwachsenen Gäste an der Wand daneben ein Regal mit einer Auswahl von Magazinen und Kulturzeitschriften wie „Merkur“ und „Philosophie“. Wer also nicht sein eigenes Buch in der Tasche hat oder die Zeitung vom Morgen noch durchblättern will, findet hier anregende Lektüre.

Beim Blick in die Kuchenvitrine entscheide ich mich für Himbeerkäsekuchen, dazu trinke ich einen Latte Macchiato, zubereitet mit äthiopischem Wildkaffee. Ich setze mich an einen der Tische vor der Holzwand, von hier habe ich einen freien Blick in das Café. Das Licht, das durch die große Fensterseite hereinfällt und auf die schlichte, stimmige Einrichtung trifft, lässt alles umso heller strahlen. Dazu passt dann auch mein Kuchen: zarte Himbeerdecke auf fluffigem, nicht süßem Käsekuchen (ohne Boden). Alles fühlt sich hier plötzlich weich und fließend an. Das Zeitloch tut sich auf…Café No. 48, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Dieser Raum ist für mich eine Entdeckung, und auch mein kleiner, einjähriger Begleiter hat sich sehr wohl gefühlt. Das verdanken wir den beiden Betreibern des Café No. 48, ihrer Freundlichkeit und ihrem guten Geschmack. Wir kommen bestimmt bald wieder – mit viel Zeit zum Verlieren.Café no. 48, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.