Caffe Martella, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Besuch in Liliput

Japanische Grünteespezialitäten, Flohmarkt-Deko, italienische Kaffeeröstung. Ein ziemlich wilder Mix erwartet einen im Caffe Martella auf der Friedberger Landstraße. Es ist eine Harmonie in Kontrasten, die beglückt.

 

Fast wäre ich vorbeigefahren: das Café ist nur ein schmaler Raum, gerade so breit wie das Fenster zur Straße. Ein hohes Fenster, über dem die Markise mit dem Namen angebracht ist, so dass man es im Vorbeiradeln/ -gehen nicht unbedingt wahrnimmt. Aber mir war es empfohlen worden, und ich hatte mich hier verabredet, daher war ich mit offenen Augen unterwegs 😉Caffe Martella, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Im Raum stehen drei Tische mit je nur ein bis zwei Stühlen oder Sesseln, und es gibt einen Tresen mit drei Stühlen links an der Wand. Dem Eingang gegenüber steht die Verkaufstheke mit der Kuchenvitrine. Auf der Theke und in der Vitrine werden auf kleinen Platten und Tellerchen Kuchenstückchen, Windbeutelchen und Plätzchen präsentiert. Alles ist mini. Auf halbhohen Kommödchen und zweistöckigen Regälchen werden Flohmarktfundstückchen ausgestellt und zum Kauf angeboten, von Miniaturvasen über Klammerbären hin zu Suppenlöffeln. Auch Retro-Kaffeemaschinen aus den Siebzigern gibt es zu Erwerben. Sie sind für das Kochen einzelner Tassen ausgelegt, den kleinen Kaffee zwischendurch.

Wir ergötzen uns erst noch ein bisschen an den diversen Schönheiten, bevor wir uns entscheiden, was wir bestellen möchten. Caffe Latte, Latte Macchiato, Bananenbisquitrolle mit Sahnekern, Windbeutel mit Vanillecreme und Panna Cotta mit Beerenmix. Dann nehmen wir Platz am Tischchen im Fenster. Und obwohl unsere Bestellung auf kleinen Tellern, in kleinen Gläsern und Tassen serviert wird, ist der Tisch schnell voll und lässt gerade noch Platz für den lustigen Zuckerstreuer in Kuhform. Schön sieht er aus, unser Mustermix. Vielleicht hätte ich doch ruhig den Matcha Latte bestellt? Aber zusammen mit dem Panna Cotta erschien mir und der freundlichen Kellnerin der Geschmackskontrast zu krass. Wenn ich mich jetzt so umschaue, denke ich, hätte es wahrscheinlich doch feinstens miteinander harmoniert…Caffe Martella, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Das Panna Cotta ist hervorragend. Ganz zart zerfließt es im Mund, nachdem es auf dem Löffel durchaus seine Festigkeit unter Beweis gestellt hat. Es schmeckt herrlich nach Vanille, und die Beeren haben eine angenehme Säure dazu. Der Windbeutel ist ebenfalls leicht und lecker, nur wegen seiner Form etwas schwer zu essen. Aber das war ja früher bei Oma auch so… Der Bananenkuchen ist ganz wunderbar bananig. Für Menschen (wie mich), die den Reifegrad von Bananen dann für perfekt halten, wenn sich auf der kräftig gelben Schale erste braune Punkte bilden (wie Sommersprossen), trifft der Kuchen genau den richtigen Geschmacksnerv. Auch der Kaffee schmeckt sehr gut, gerät aber ob unserer Begeisterung über die konditorischen Glücksgriffe etwas in den Hintergrund. Allerdings, den winzigen Matcha-Kuchen, der auf der Untertasse liegt, den möchten wir nicht missen.

Als wir gehen, schaue ich noch einmal auf die Karte des Caffe Martella und weiß, dass wir in dem kleinen Einraumcafé, in dieser Miniaturwelt mit rosa Porzellan und Grünteespezialitäten, noch viele Patisserie-Schätzchen werden entdecken können. Daher sage ich: bis ganz bald wieder!Caffe Martella, Frankfurt, Das vierte Zimmer

2 Replies to “Besuch in Liliput

  1. Oh du warst da! 😃 herzallerliebst, was? Liest sich immer toll, wenn man direkt die Bilder auf die Erinnerungen zugreifen kann.
    Hast du denn das Frankfurter-Cafés-Buch gesehen?

    1. Ja, es ist reizend! Vielen Dank für die Empfehlung!!! Das Buch habe ich auch gesehen, aber leider nicht recht Zeit zum Lesen gehabt, sondern nur kurz reinschauen können…

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