Café Kante, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Klassiker in der Kantstraße

Das östliche Nordend ist ohne das Café Kante nicht vorstellbar. Seit 20 Jahren ist es dank entspanntem Kaffeehauscharme die schönste Anlaufstelle rund um den Merianplatz.

 

Wenn man das Café Kante betritt, steht man im Foyer und mittendrin zugleich: am Verkaufstresen aus dunklem Holz entlang, hinter dem sich die Kaffeebohnen, Teedosen sowie Brot- und Brötchenverkauf befinden und der in eine mannshohe Vitrine mündet, in der die Kuchen und Törtchen ausgestellt sind, öffnet sich der Caféraum mit kleinen runden Tischen. Der gesprungene Steinfußboden ist ein besonders liebenswertes Kennzeichen des Cafés. Im zweiten Raum gibt es einen weiteren Tresen, hinter dem die Kaffees für die Gäste zubereitet werden, und gegenüber führt eine Tür in den kleinen Garten, der parallel zur Kantstraße verläuft.Café Kante, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Vor über 20 Jahren haben die drei Betreiber das Café übernommen, weil sie verhindern wollten, dass eine Bank in die Räume des alten Café Wacker einzieht. Keiner von ihnen hatte Erfahrung als Cafébetreiber – lediglich als Cafébesucher, also: Expertise der besonderen Art. Ihre Kuchen und Backwaren beziehen die drei von einer Bäckerei aus Rödelheim, den Kaffee von der Kaffeerösterei Stern aus Bockenheim, jeweils eine Wahl, die sich sehr bewährt hat. Die große Zahl der Stammgäste dankt es ihnen.

Die Betreiber verstehen es, in ihrem Café eben jene Atmosphäre zu erzeugen, die (auch) ich am Kaffeehaus so liebe: es ist ruhig und trubelig zugleich. An den Tischen sitzen stille Gäste, die lesen oder sich gepflegt unterhalten, und doch herrscht ein Kommen und Gehen, das Leben in den Raum bringt, manchmal ein kurzes Gespräch aufkommen lässt, ein Lachen. Wenn man selbst Teil des trubeligen Parts ist, fühlt man sich wohl, ebenso wie wenn man still am Tisch sitzt und seiner Beschäftigung nachgehen kann, ohne gestört zu sein. Es ist fast, als stünde jeder Tisch unter einem kleinen Geräuschtarnzelt, man ist isoliert und partizipiert dennoch. Das ist auch insofern ein tolles Gefühl, weil man weiß, man kann niemanden stören, wenn man selbst mal kurz seinen kleinen Zeltplatz verlässt/ verlassen muss, etwa weil das Kind durch den Raum flitzt, nachdem es die Balkontür entdeckt hat. Bei meinem letzten Besuch war es wieder einmal so, dass der Kleine nicht still am Tisch sitzen bleiben wollte, nachdem er den leckeren Kuchen aufgegessen hatte, von dem ich gleich noch berichten werde. Und ich konnte mich kaum auf das Gespräch mit unserer Begleitung konzentrieren, war ständig abgelenkt, und doch hatte ich nicht das Gefühl, dass dies im Café Kante lästig war. Im Gegenteil: der anwesende Besitzer Norbert Wolf hat sich rührend meines kleinen Flitzers angenommen, hat ihm den Garten gezeigt, dort mit ihm die Blumen gegossen und ihm dann sogar noch einen Teller Streuseln hingestellt. Einen Teller Butterstreuseln, pur!, was für ein Kinderglück! Ich bin sehr dankbar für diese Gastfreundschaft, denn es ist leider nicht selbstverständlich, dass man so behandelt wird. Daran erkennt man die *guten* Räume, Räume, in denen man sein kann, wie man ist und sich willkommen fühlt. Das Café Kante ist so ein guter Raum. Hätte ich es nicht schon vorher gewusst, dann nach diesem Besuch.Café Kante, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Warum ist es schon vorher wusste: siehe oben. Und: die Törtchen. Wie das Kante selbst sind auch die hier dargebotenen Törtchen-Varianten längst ein Klassiker. Es sind runde Mini-Kuchen, gefüllt mit einer Käsecreme und, wenn gewünscht, ergänzt mit Obst, Kirsch, Rhabarber, Apfel, bestreut mit Butterstreuseln. Dazu einen Stern-Kaffee und der Nachmittag ist rund.

Café Kante, Frankfurt, Das vierte Zimmer

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