Frankfurt Einst und Frankfurt Jetzt

Blitzführung durch den Neubau des Historischen Museums Frankfurt im Rahmen eines Social Media Walks. Eins ist nach wenigen Minuten bereits klar: hier kann man Tage verbringen und immer noch mehr entdecken. Frankfurt hat ein grandioses Museum mehr!

 

Am Mittwoch habe ich an meinem zweiten Social Media Walk teilgenommen, und es hat wieder großen Spaß gemacht. Weil so viele nette Menschen dabei waren, aber auch und besonders darum, weil wir dieses Mal im neu eröffneten Historischen Museum zu Gast waren. Ein grandioses neues Museum! Nicht nur, dass es hier unendlich viele große und kleine Geschichten und Fakten zu entdecken gibt, die gesamte Museumsgestaltung ist sehr zugänglich und macht Lust auf jeden einzelnen Themenbereich.

Im Neubau des Museums gibt es zwei große Ausstellungsbereiche: Frankfurt Einst und Frankfurt Jetzt. Frankfurt Einst erstreckt sich über zwei Etagen, Frankfurt Jetzt befindet sich im 3. OG unter dem Spitzdach. Wir werden in zwei Gruppen durch das Haus geführt von den Kuratorinnen Franziska Mucha und Nina Gorgus, denen man die Begeisterung für ihren Arbeitsbereich deutlich anmerkt und sich davon nur zu gern anstecken lässt.

Das erste Exponat schauen wir uns aber noch gemeinsam an: die Schneekugel. Eine überdimensionale Glaskugel im Untergeschoss vor dem Eingang in den Neubau präsentiert in beliebiger Abfolge eines von acht Stadtmodellen, die von verschiedenen Künstlern im Auftrag des HMF entwickelt wurden. Die Themen finden sich später zum Teil auch in den Ausstellungsräumen wieder: Kriminelle Stadt, Jüdische Stadt, Industriestadt, Bankstadt, Heimliche Hauptstadt, Drehscheibe, Baustelle, Kritische Stadt. Wir sehen die künstlerischen Modelle der Baustelle und der kriminellen Stadt. Während die Modelle für zwei Minuten in der Schneekugel gezeigt werden, werden Videos an die umgebenden Wände der Installation projiziert, die das Thema aufgreifen und atmosphärisch kommentieren. Während des Wechsels fallen dezente Lichtpunkte wie Schneeflocken über die Screens. Es ist eine fantastische Installation! Ich hätte bereits hier schon verweilen können und mir zu gern sämtliche Modelle einmal vorführen lassen.Historisches Museum Frankfurt, Das vierte ZimmerHistorisches Museum Frankfurt, Das vierte ZimmerHistorisches Museum Frankfurt, Das vierte Zimmer

Doch wir haben ja leider nicht den ganzen Tag Zeit, und daher ziehen wir in zwei Gruppen nun los in die Ausstellungsräume. Ich bin in der Gruppe, die zuerst den Bereich „Frankfurt Jetzt“ besucht. Auch hier erwartet uns gleich hinter der Treppe ein beeindruckendes Stadtmodell, eine Gruppe um den niederländischen Künstler Herman Helle hat es 2015 im Auftrag des HMF gebaut. Es stellt in einem Materialmix aus verschiedensten Objekten und Fundstücken die Stadt Frankfurt im Miniaturformat nach. Alle haben sichtbar Spaß daran, die Sehenswürdigkeiten oder eigenen Stadtteile zu entdecken; ständig hört man Ausrufe wie: „Guck mal, lustig, die EZB ist mit geschredderten Geldscheinen gefüllt.“ oder „Ah, da ist die DNB, klar, sie besteht aus Büchern.“ Die Hoechst AG ist mit leeren Nasensprayfläschchen und Thermometern nachgebaut, die Flughafengebäude mit alten Fernbedienungen, der Henninger Turm mit einem Weihnachtsausstecher in Turmsilhouette usw. Es stecken hier überall großartige winzige Ideen und Geschichten im Modell. Wieder ein Exponat, bei dem man (ich) gern noch verweilen würde.Historisches Museum Frankfurt, Das vierte Zimmer

Da ziehen wir aber auch schon weiter zur nächsten Station: Stadtlabor Digital. Ein Projekt, das ich schon etwas länger kenne und sehr reizvoll finde. Seit 2015 ist das KuratorInnen-Team mit seinem sogenannten Forschungsfahrrad im Frankfurter Stadtgebiet unterwegs und befragt Frankfurterinnen und Frankfurter über ihre Stadt(teile). Die Geschichten, Anekdoten und Dokumente werden gesammelt und auf einer interaktiven Karte interessierten NutzerInnen zur Verfügung gestellt. Mit der Eröffnung des Museums ist die Seite online gegangen und seither kann sich jedeR hier anmelden und seinerseits Content hochladen. Denn bei Frankfurt Jetzt wird immer partizipativ gearbeitet, getreu der Devise: jedeR ist eine Expertin/ ein Experte für ihre/ seine Stadt.

Das gilt auch für den Sammlungs-Check zum Thema Migration. Auch hier sind alle FrankfurterInnen mit Migrationserfahrung aufgerufen, ihre persönlichen „Migrationsobjekte“ einzureichen und/ oder an Workshops teilzunehmen, bei denen diese Objekte diskutiert werden. Eine Präsentation des Erarbeiteten wird im Februar 2018 im Museum zu sehen sein.

Und noch ein letztes großes und wichtiges Projekt wird auf diesem Stockwerk vorgestellt: die Bibliothek der Generationen. Dieses Projekt wurde 2000 von der Künstlerin Sigrid Sigurdsson initiiert und ist auf 105 Jahre angelegt. 100 Autorinnen und Autoren aus Frankfurt oder mit einem biographischen Bezug zur Stadt wurden ausgewählt, schriftlich oder im Audioformat einen Blick auf Frankfurt zu werfen und eine / ihre Erinnerung(en) für nachfolgende Generationen zu bewahren. Die Erinnerungskisten, die die Einreichungen enthalten, dürfen die MuseumsbesucherInnen nicht selbst öffnen, es gibt aber regelmäßig Veranstaltungen, bei denen ausgewählte Geschichten der Öffentlichkeit vorgestellt werden.Historisches Museum Frankfurt, Das vierte Zimmer

Dann ist leider schon die Zeit für unsere Führung Teil I abgelaufen, und wir gehen nach unten ins 1. und 2. OG und lassen uns dort eine Einführung in das Ausstellungskonzept geben und einzelne Exponate vorstellen. Wie schon gesagt, sind die Ausstellungsbereich nicht chronologisch angelegt, sondern thematisch. Das bringt überzeugende Bündelungen und führt zu erhellenden Gegenüberstellungen von Ausstellungsstücken. Neben historischen Stadtmodellen und Gemälden warten ein „Krönungskarussell“, ein Flughafengate mit Videos zum Thema Mobilität in Frankfurt seit 1900 oder auch eine Ernst-May-Küche auf die BesucherInnen. Die Vielfalt der Exponate ist enorm. Und es ist beeindruckend, wie es den KuratorInnen gelungen ist, diese in der Ausstellung miteinander in einen Dialog zu setzen und die BesucherInnen gleichermaßen zu informieren wie zu überraschen.Historisches Museum Frankfurt, Das vierte ZimmerHistorisches Museum Frankfurt, Das vierte Zimmer

Ich bin sicher, dass ich sehr bald mit mehr Zeit wiederkomme.

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