Carmen Korn, Töchter einen neuen Zeit, Das vierte Zimmer

Hamburg, meine Perle

Zwei Freundinnen in Hamburg, Jahrgang 1900. Ihr Leben in den 20er bis 40er Jahren wird geprägt von großen Lieben, politischen Zäsuren und vor allem ihrer unerschütterlichen Freundschaft.

 

Henny und Käthe sind befreundet, seit sie denken können. Nicht immer zur Freude von Hennys Mutter, aber dass Käthe so anders ist als sie selbst, fasziniert Henny. Und sie weiß, dass sie sich auf ihre Freundin, die in der gleichen Straße in Uhlenhorst wie sie aufwächst, verlassen kann.

1919 beginnen beide Frauen eine Ausbildung zur Hebamme. Sie teilen den Arbeitsalltag, die Freunde, so vieles miteinander. Aber es gibt auch Unterschiede: Käthe unterstützt die Kommunisten, Henny heiratet den liebenswerten, etwas weltfremden Künstler Lud und bekommt bald ihr erstes Kind. Dann kommt Lud bei einem tragischen Unfall ums Leben. Henny Schwägerin Lina wird ihr zunehmend eine Freundin. Wie auch Ida, die aus dem sprichwörtlichen „guten Hause“ stammt und von ihrem Vater in eine Ehe gedrängt wurde, die für diesen finanziell notwendig war. Neben ihrem Mann lebt Ida nun ein reiches, abgeschirmtes, allzu langweiliges Leben in einer unglücklichen Ehe.

Die Jahre vergehen, und auch an der Geburtsklinik in der Finkenau, wo die Henny und Käthe angestellt sind, weht bald ein anderer Wind: die Nationalsozialisten gewinnen an Zuspruch, und das Arbeitsklima verändert sich. Käthe und Rudi engagieren sich im Widerstand. Henny kann darüber mit ihrem neuen Mann nicht sprechen, denn dieser tritt schnell in die NSDAP ein.

Der Roman begleitet die vier Frauen und die ihnen zur Seite gestellten Männer durch persönliche Höhen und Tiefen und die politischen Veränderungen der 20er bis 40er Jahre. Im zweiten Teil der Trilogie erzählt Carmen Korn aus dem Leben der Figuren bis in die 70er Jahre weiter. Kriegsgefangenschaft, Flucht, Scheidungen, aber auch neu gewonnene Freiheiten und Chancen geben die Geschichten her. Zunehmend rückt auch die Kindergeneration in den Blick der Erzählerin, auch sie bekommen Biographien, und auch dank dieser spinnt sich die Trilogie fort.

Carmen Korn ist eine phantasievolle Erzählerin, die ihre Figuren liebevoll gestaltet und durch facettenreiche, auch politisch relevante Episoden begleitet. Unterhaltungsliteratur, die diskutiert. Eine Lektüre, die glücklicherweise drei dicke Bände lang andauern kann.

 

Carmen Korn: Jahrhundert-Trilogie. Hamburg: Rowohlt Verlag, 2016-2018.

 

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