Café Liebieghaus, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Villa für alle

Eine der schönsten Perlen in der Museumscafékette Frankfurts: das Café im Liebieghaus. Nach umfassender Sanierung ist es nun wieder geöffnet und erstrahlt in neuem/ altem Glanz.

 

Die gute Nachricht zuerst: das Café ist kein anderes geworden. Viele (Stammgäste) hatten ja große Sorge, dass die Sanierung dazu führen würde, dass Veränderungen in die Räume hineinrenoviert werden, die den Charme des Ortes zerstören. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Mit viel Vorsicht und Zurückhaltung wurden Heizung und Lichtführung erneuert, doch die Anmutung des Gastraumes ist nicht verändert; abgesehen von der frischen Farbe an den Wänden. Gut getan hat die Sanierung dem Sanitärbereich. Auf der Terrasse finden sich nun mehr Tische und Stühle, so dass bei Sonnenschein der herrliche Innenhof des Hauses mehr Besuchern Platz bieten kann. Wer schon einmal in den Tuilerien in Paris einen Sitzplatz eingenommen hat, wird die Stühle gleich wiedererkennen: es handelt sich um das gleiche Modell, auf dem man – beinahe wider Erwarten, schließlich sind es ungepolsterte Metallstühle – stundenlang sehr bequem sitzen kann. Große weiße Sonnenschirme spenden Schatten, oder auch kurzzeitigen Schutz vor frühherbstlichen Regentropfen.Café Liebieghaus, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Im Foyerbereich des Cafés befindet sich linksseitig weiterhin der Tresen samt Vitrinen, an dem man bestellt und dann seine Auswahl mit einem kleinen Tablett selbst zum Tisch trägt. Die angebotenen Kuchen sind stets selbstgebacken und lecker, allerdings eher bodenständige Varianten: Grießkuchen, Beerentarte, Käsekuchen, Schokokuchen. Außerdem gibt es eine Frühstückskarte sowie den gesamten Tag über Sandwiches, Quiches, Salate, seit der Wiedereröffnung auch selbstgemachte Limonade im Angebot. Ich entscheide mich für ein Stück sogenannten Lieblingskuchen mit Sahne zum Cappuccino.

Während ich warte, dass die Milch aufgeschäumt wird, schweift mein Blick durch den Eingangsbereich. An der Wand gegenüber dem Eingang werden in zwei Nischen Merchandise-Produkte des Museums zum Kauf angeboten: Kaffeetassen und Kataloge, irgendwie naheliegend – und darum überzeugend. Über dem Stehtisch, der um die Säule in der Mitte des Raumes herum gebaut wurde, hängen moderne Glühbirnen und geben warmes gelbes Licht ab. Auch am Fenster neben dem Eingang könnte man sitzen und mit Blick in den Innenhof seinen Kaffee trinken.Café Liebieghaus, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Der Gastraum selbst ist, wie gesagt, auf den ersten Blick, unverändert: Das Gewölbe, die Säulen und Nischen umschließen den kleinen Raum auf beinahe liebevolle Weise, was ihn noch etwas kleiner wirken lässt, als er tatsächlich ist, wenn man zählt, wie viele Tische und Stühle hier doch Platz finden. Genau das macht natürlich den Charme dieses Zimmers aus! Man fühlt sich sofort heimelig und setzt sich mit seinem duftenden Kaffee an einen der kleinen Tische, die entweder vor einer gepolsterten Bank stehen oder von leichten Bistrostühlen umgeben sind. Der deutsche Historismus der Architektur und das französische Möbeldesign werden in diesem Raum bereichert um die Porträts des österreichischen Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth.Café Liebieghaus, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Eine famose Neuerung: Der Nebenraum, der bislang lediglich für Sonderveranstaltungen und geschlossene Gesellschaften genutzt wurde, steht nun auch täglich den Cafégästen offen. Und wie schön ist es auch hier! Für den Herbst kann man sich gleich vorstellen, wie man hier vor dem Kamin eine heiße Schokolade trinkt, abwechselnd in die Kerzen und ein gutes Buch schaut… In diesem Raum stehen dann auch etwas größere Tische bereit für größere Gruppen und/ oder Gäste, die gern bei etwas mehr Armfreiheit kaffeesieren. Café Liebieghaus, Frankfurt, Das vierte Zimmer

Wie schön, dass man jedem Impuls wiederstanden hat, aus diesem behaglichen Museumscafé einen coolen Hotspot zu machen. Wie immer hat sich für mich der Weg über den Main hierher sehr gelohnt.

Ein Besuch im Museum ist als Begleitprogramm zum Cafébesuch in diesem Falle ebenfalls sehr zu empfehlen, schließlich befindet sich in den Räumen der Villa eine der international bedeutendsten Sammlungen von Skulpturen von der Antike bis zum Klassizismus, und nebenbei kann man die Zimmer des Hauses bewundern.

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